Wenn die Dämmerung den Garten in sanfte Schatten hüllt, beginnt seine geheimnisvolle Schicht. Dann raschelt es leise im Laub, und ein kleiner, bepanzerter Schatten kriecht hervor: der Igel. Mit seiner runden, stacheligen Rüstung und den tapsigen Schritten ist er der sympathischste Ritter der Nacht, ein stiller Jäger und ein Zeichen dafür, dass unser kleines Ökosystem noch funktioniert. Doch dieser vertraute Gast kämpft ums Überleben. Zwischen aufgeräumten, sterilen Gärten, giftigen Pestiziden und dem tödlichen Asphalt der Straßen wird sein Lebensraum zur tödlichen Falle. Wir brauchen ihn, den stillen Gärtner auf vier Pfoten, und es ist unsere Pflicht, seinen Schutz zu sichern.
Die Anwesenheit eines Igels ist ein Gütesiegel für einen lebendigen Garten. Seine Bedürfnisse sind einfach, aber lebenswichtig. Indem wir ihm helfen, helfen wir uns selbst.
Der Wächter der Nacht: Wer der Igel Wirklich Ist
Der Igel (Erinaceus europaeus) ist ein scheuer Einzelgänger, der seine Tage verborgen verbringt und nachts seine Jagd beginnt. Seine Speisekarte ist das, was uns Gärtner oft Sorgen bereitet:
- Der Biologische Schädlingsbekämpfer: Auf seinem Speiseplan stehen Schnecken, Käferlarven, Ohrwürmer und Spinnen. Er ist ein wandelnder biologischer Pflanzenschutz.
- Sein Wert: Igel sind keine Schädlinge. Sie sind die effektiven, unbezahlten Wächter, die für das natürliche Gleichgewicht sorgen. Seine Anwesenheit bedeutet, dass du weniger Chemie brauchst.
Wenn Der Ritter Hungert: Die Lebenswichtige Unterstützung
Besonders im Spätsommer und Herbst ist der Igel verzweifelt auf der Suche nach Nahrung, um sich ein kritisches Fettpolster für den Winterschlaf anzufressen. Auch im Frühjahr nach dem Aufwachen sind viele Tiere geschwächt. Menschliche Hilfe kann in diesen Phasen überlebenswichtig sein.
Was Du Füttern Darfst (Die Kraftnahrung):
- Tierisches Protein: Katzennassfutter ohne Fisch (da Fisch den Kotgeruch verändert und Fressfeinde anlocken kann) oder gekochtes, ungewürztes Rinderhack oder Hühnchenfleisch.
- Eier: Ein gekochtes Ei (ungewürzt!) ist eine willkommene Proteinquelle.
- Wasser: Immer frisches Wasser in einer flachen Schale anbieten.
- Astuce (Tipp): Um Futter nur für den Igel bereitzustellen, platziere die Schale unter einer Holzkiste, die nur kleine, abgewinkelte Eingangslöcher (ca. 10×10 cm) hat. So wird das Futter für Katzen, Ratten oder Marder schwerer zugänglich.
Was Du Niemals Geben Solltest (Die Gefahr):
- Milch: Sie führt zu schwerem Durchfall und Dehydrierung, was für Igel tödlich sein kann.
- Süßes: Brot, Kuchen oder Obst (zu zuckerhaltig) belasten das Verdauungssystem massiv und sind ungeeignet.
Dein Garten als Wildes Herz: Ein Zufluchtsort statt Wüste
Igel meiden sterile, perfekt aufgeräumte Gärten. Sie brauchen Unordnung, Verstecke und Materialien für den Nestbau.
So Schützt Du Aktiv:
- Laub- und Reisighaufen Zulassen: Der wichtigste Schritt! Lass Laub, abgeschnittene Äste und Reisig einfach liegen. Ein dicker Haufen bietet Schutz vor Feinden, Kälte, Hitze und ist das ideale Winterquartier.
- Igelhäuser Aufstellen: Igelhäuser (selbst gebaut oder gekauft) mit einem abgewinkelten Eingang (Schutz vor Katzen und Wind) bieten ein sicheres Schlaf- und Winterquartier. Platziere es an einer ruhigen, geschützten Stelle.
- Naturnahe Bepflanzung: Blühende Wildblumen, Stauden und Kräuter locken Insekten an – die Hauptnahrung der Igel. Eine hohe Insektenvielfalt bedeutet einen gedeckten Tisch.
- Sichere Wasserstellen: Achte darauf, dass Teiche oder Regentonnen immer eine flache Ausstiegsmöglichkeit (ein Brett oder Steine) bieten, damit Igel nicht ertrinken.
- Zäune Öffnen: Sorge für kleine Durchgänge (ca. 10×10 cm große Löcher) in Zäunen oder Mauern, damit der Igel seinen Lebensraum erweitern kann.
Gefahrenquellen Meiden – Die Sanfte Pflege
Ein Igel ist tapfer, aber schutzlos gegen menschliche Maschinen und Gifte.
- Kein Gift: Verzichte vollständig auf Schneckenkorn, Rattengift und chemische Pestizide. Diese Gifte töten nicht nur die Beute, sondern den Igel selbst, der die vergifteten Tiere frisst.
- Mähroboter und Freischneider: Lasse Mähroboter niemals nachts laufen, da Igel nicht schnell fliehen, sondern sich einrollen, wenn Gefahr droht. Sei extrem vorsichtig beim Einsatz von Freischneidern.
- Gruben und Schächte: Decke Gruben, Lichtschächte oder Kellerabgänge ab oder biete eine schräge Ausstiegshilfe.
Dein Beitrag Zählt: Der Appell an die Achtsamkeit
Der Straßenverkehr ist besonders in der Dämmerung und nachts eine tödliche Gefahr für die langsamen Tiere.
- Im Straßenverkehr: Fahre in Wohngebieten nachts besonders achtsam.
- Notfallhilfe: Melde verletzte, kranke oder verwaiste Igel umgehend bei lokalen Wildtierstationen oder Igelhilfen (z. B. NABU). Ein Igel, der tagsüber herumläuft, ist fast immer in Not.
Fazit: Der Lohn des Wilden Gartens
Ein einziger Igel ist ein Meisterwerk der Effizienz und vertilgt jede Nacht Hunderte Insekten. Seine Anwesenheit bedeutet ein biologisches Gleichgewicht und erspart dir den Griff zu chemischen Mitteln.
Sei mutig und lass deinen Garten ein bisschen wilder, unordentlicher und natürlicher. Freue dich, wenn du ihn siehst, denn er hat deinen Garten gewählt, weil er dort noch willkommen ist. Du bist sein stiller Held.